Es geschah im August diesen Jahres.
Viele Jahre hat meine Canon AV-1 nur im Regal gelegen und mich mehr oder weniger traurig angeschaut, weil sie schon sooo lange nicht mehr benutzt wurde. Sie war angestaubt, der Verschluss ging nicht mehr und ganz ehrlich: sie war etwas heruntergekommen. Dennoch konnte ich mich nie von ihr trennen, denn für mich war da immer noch ein Band zwischen uns.
Es war die Kamera meiner Jugend. Wenn ich mich recht erinnere, dann war es der 14. Geburtstag. Ich bin an einem ersten Weihnachtstag geboren worden – was nicht nur Vorteile hat – aber in puncto Geschenke hatte ich dann manchmal doch die Gelegenheit, mir etwas ganz Besonderes – gewissermaßen als Kombi-Geschenk – wünschen zu können.
Und diese Kamera war für mich etwas ganz Besonderes!

Ich weiß noch gut, wie ich mir damals in der Adventszeit an den Schaufenstern der beiden Fotogeschäfte unserer Stadt die Nase platt gedrückt hab, um sie vor dem Weihnachtsfest zu sehen. In der Technikabteilung des örtlichen Kaufhauses gab es sie auch – aber welcher Verkäufer (Verkäuferinnen waren damals in diesen Abteilungen die ganz große Ausnahme) gab zu der Zeit denn einem „Kind“ (wir hielten und damals schon für „groß“ – das war aber wohl eher eine Sache der Perspektive) solch ein Stück Technik in die Hand …
Anfang August hab ich sie also endlich wieder einmal in die Hand genommen. Das der Verschluss nicht mehr wollte, war mir schon länger bewusst – aber nun wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Alles angeschaut, aufgeschraubt, weiter geschaut, im Internet recherchiert und am Ende der Verdacht, das der interne Verschlussmagnet die Ursache war – und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Batterie leer!
Nun, Der Batterietyp gehört nicht gerade zu den gängigen – immerhin eine Kamera, die 1979 auf den Markt und 1981 in meine Hände kam. Aber es gibt sie noch – oder einfach modernere Varianten. Also schnell bestellt!
Am Montag kam der Paketbote – natürlich mitten in einer Videokonferenz (klar, wann sonst?). Sobald diese beendet war, konnte ich nicht mehr warten und musste es gleich ausprobieren: „Klack!“ – wieder spannen und auslösen – „Klack!“ – und nochmal spannen und auslösen: „Klack!“ Kurzum: der Schatz meiner Jugend war wieder lebendig!
Dieser Moment, den Verschluss meiner Kamera nach vielen Jahren wieder zu hören …. das war wirklich so etwas wie mein absoluter „Glücksmoment der Woche“!
Ich lief grinsend wie ein Honigkuchenpferd (wie es so schön heißt) durch die Wohnung und konnte gar nicht genug „Klack!“ hören – so sehr hab ich darüber gefreut! Ich bin mir sicher, das ich in der nächstfolgende Videokonferenz permanent am Lächeln war.
Kurz darauf hab ich mir bei Khrome in Hamburg ein paar Filme bestellt, gleich mit Scannen und Abzügen. Und da mir bei den Wiederbelebungsmaßnahmen auch gleich aufgefallen ist, das die Lichtdichtungen dermaßen porös sind, wodurch bei jedem Auslösen einige neue Partikel im Gehäuse anfallen. Daher wurde auch gleich passendes Material für den Austausch der Lichtdichtungen im Internet geordert.
Bis zum folgenden Wochenende war das Material leider noch nicht angekommen, daher wurde die Kamera erstmal einen Nachmittag äußerlich kräftig gesäubert und geputzt. Das Schöne bei der ganze Beschäftigung mit dem Gerät: die Erinnerungen, die einem dabei wieder in den Sinn kommen! Die Kamera als Begleitung und die Momente, in denen manche Fotos entstanden sind. Die Menschen von damals. Und auch daran, wie wir damals in unserer Foto-Clique aus 3 Teenagern im Labor waren und Abzüge gemacht haben. Wir hatte eine Menge Spaß und immer Lust, etwas auszuprobieren.

Am Ende des Tages war die Kamera zwar noch nicht wieder richtig einsatzbereit, aber sie glänzt wieder. Ich ich hatte das Gefühl, sie schaute mich nun auch nicht mehr so traurig an.
Ganz herzlichen Dank für Deine Aufmerksamkeit!
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