Diesen Beitrag hab ich kürzlich auch in der Community des Freundeskreise von „Fotografie tut gut“ geschrieben. Ich mag diese Community wirklich sehr: es ist eine unheimlich sympathische Gemeinschaft mit viel Empathie und Inspiration. Aber dazu bestimmt mal an anderer Stelle mehr.
Nun, Ihr kennt das ja bestimmt auch: die Zeit vergeht einfach zu schnell! Es ist nun schon fast ein halbes Jahr her, seitdem ich den ersten Film für meinen analogen Wiedereinstieg in meine Canon gelegt habe. Mittlerweile sind eine paar Filme entwickelt und es ist sicher ein guter Zeitpunkt, über meine ersten Erfahrungen zu berichten – das passt ja auch ein bisschen zu den Halbjahreszeugnissen, die gerade so verteilt wurden. (Ferner hatte ich im Community-Chat auch bereits angekündigt – oder „angedroht“? – das ich berichten werde, wenn die sechs Filme aus dem Labor zurück sind.)
Vorab aber erstmal eine Antwort auf die eine ganz spezielle Frage: „Warum fotografiere ich überhaupt analog?“ Das ist natürlich eine sehr persönliche Frage und als ganz persönliche Antwort kann ich es am besten mit dem Wort „Erlebnis“ beschreiben. Es ist das Gefühl beim Einlegen der Filme, die Haptik, die Geräusche beim Aufziehen des Verschlusses, das Auslösen oder Hochklappen des Spiegels der Canon oder beim Fokussieren der Lomo. Und alles etwas langsamer machen – oder etwas bewusster.
Und dann das gespannte Warten auf die Ergebnisse, die Ungewissheit und die Freude beim ersten Blick auf die Fotos … Und dann die Filme und ihr spezieller Look … Ach, ich könnte die Liste wohl noch lange weiterführen. Die Quintessenz all dessen ist: all das zusammen bereitet mir einfach jede Menge Spaß und Freude! Und ich hab das Gefühl, es gibt noch soooo vieeel zu entdecken.
Aber womit fange ich nun an? Im Zweifel einfach mal hiermit:
Meine Kameras

In dem Bild seht Ihr mein analoges Trio: meine Canon AV-1, die Lomo MC-A und die Kodak Retina 1b – oder anders gesagt: 50er- und 70er Jahre und etwas von heute.
Es wäre schlicht gelogen, wenn ich behaupten würde, das ich keine besondere Beziehung zu meiner Canon habe. Ich hatte hier ja bereits über die Restauration geschrieben und es ist die Kamera meiner Jugend, mit der ich damals so manches Abenteuer erlebt habe und die damals häufig an meiner Seite war. Heute bin wirklich froh, das ich sie auch trotz meines Einstiegs in die digitale Fotografie immer behalten habe – auch wenn sie mich schon irgendwie traurig angeschaut hat, weil sie schon lange nicht mehr benutzt wurde. An Objektiven habe ich ein 24mm, ein 35mm und ein 50mm – mir gefällt das Trio und zusammen passt gerade noch so in meine kleine Tasche.
Rechts oben seht Ihr die Lomo MC-A. Als die Kamera im Oktober angekündigt wurde, da konnte ich nicht anders und musste sie einfach bestellen. Man könnte es vielleicht als Anflug von G.A.S. bezeichnen, aber ich war im Herbst wirklich auf der Suche nach einer analogen Kamera, die etwas kleiner und kompakter ist und die einfach mal flott in die Jackentasche oder den Rucksack für die Arbeit gesteckt werden kann (die Canon ist einfach zu groß dafür, obwohl sie schon zu den kleineren Vertretern ihrer Art gehört). Und genau in dem Moment wurde diese Kamera angekündigt … Kurz gesagt: ich war geliefert 😉
Das Paket kam noch vor Weihnachten und seitdem hab ich sie lieb gewonnen. Sie ist vermutlich für viele weit von der Perfektion entfernt, aber mir gibt sie genau das, was ich gesucht hab: die Kompaktheit und die Bandbreite von „alles manuell“ bis „vollautomatisch“. Und ich hab noch viel zu darüber zu entdecken, wie sie auf die Änderung von so manchen Einstellung reagiert.
Und dann ist da noch die Kodak Retina 1b, die eine ganz andere Geschichte hat. Es ist die Kamera meines mittlerweile 90-jährigen Schwiegervaters und meine Frau sowie mein Schwager können sich noch gut dran erinnern, wie er mit mit dem Apparat vor vielen Jahren Bilder gemacht hat. Wir haben sie wieder entdeckt, als wir die Wohnung meiner Schwiegereltern vor zwei Jahren aufgelöst haben und zunächst wollte unser Sohn die Kamera mit an die Uni nehmen, wo er im Freundeskreis Fotograf:innen hat, die sicher interessiert seien.
Um es kurz zu machen: im Dezember bekam ich sie als „vorgezogenes Geburtstagsgeschenk“ von ihm wieder zurück und ich begann, mich mit ihrer Technik zu beschäftigen. Sie ist etwas unterschiedlich zu den anderen Kameras und ich bin immer noch dabei zu lernen. Ferner muss ich nochmal das Thema „Reinigung“ angehen und schauen, ob ich einen Weg finde, den Sucher noch klarer zu bekommen. Der Verschluss klingt auch nicht wirklich so, als wäre er akkurat. Daher glaube ich auch, der erste Film wird sehr sehr interessant werden und ich freu mich jetzt schon auf die Überraschungen. Auf jeden Fall liegt die Kamera bereit für den Einsatz und ist mit einem Film bestückt – die ersten Bilder sind im Kasten.
Bei aller Liebe zu den analogen Kameras, der Haptik und ihrer Akustik muss ich aber ein noch etwas zugeben, was ich an ihnen vermisse – und zwar immer dann, wenn ich in Bodennähe fotografiere. Denn dann denke ich doch so manches mal, das so ein klappbares Display wie an meiner digitalen Fuji doch auch einen gewissen Charme hat. Da bleibt dann gezwungenermaßen nur die spontane Gymnastik übrig – oder etwas Mut zum Risiko für den Bildausschnitt.
Soweit so gut. Dann kann ich mich nun einem anderen Thema widmen:
Die Filme

Auf den ersten Schritten meiner Rückkehr nach Analogistan hatte ich die folgenden Farbfilme als Begleitung:
- Lomochrome Metropolis
- Lomochrome Color ’92
- Kodak Gold 200
und schwarz-weiß war die Auswahl kleiner, aber nicht weniger prominent:
- Ilford XP2 400
- Fujifilm Across II 100
Als erstes möchte ich mich doch mal den Farbfilmen widmen. Eine Warnung sei vorab gesagt: es folgen nun eine ganze Menge Bilder hier im Beitrag – also nicht wundern. Die Bilder sind übrigens genau so wie sie aus dem Labor gekommen sind. Also nichts begradigt, geschnitten und auch keine Änderungen an Farbe, Kontrast usw.
Lomochrome Color ’92 (in der Canon)
Es war ein Versuch und wie heißt es so schön: „Versuch macht klug“. Ich hatte den Film einfach in meiner Bestellung aus Neugier mitbestellt – aber das Ergebnis spricht mich nicht hundertprozentig an. Für mich kommt der manchmal etwas „flau“ daher. Und auch etwas zu viel grün. Wobei es ehrlicherweise auch Bilder gibt, wo dieser Film es schafft, das Subjekt der Betrachtung super in Szene setzen. Das Korn ist nach meinem Empfinden grob – was aber nicht von Nachteil sein muß.
Die folgenden Bilder hab ich Ende November im Erlanger Schloßgarten gemacht. Wir hatten hier gerade ein paar frostige Nächte und auf den trotz des fortgeschrittenen Jahres noch vorhandenen Rosenblüten waren die Kristalle auch schön zu sehen. Mit weit offener Blende empfinde ich den Hintergrund als etwas zuviel grün – wobei sich die Rosen natürlich prima abheben.

Etwas abgeblendet sieht die gleiche Szenerie doch gleich etwas anders aus – weniger grün, mehr nach einem sonnigen Herbsttag:

Beim folgenden Bild ärgere ich mich immer noch darüber, das ich nicht ein paar Schritte weiter gegangen bin, um die junge Frau im Moment des Sonnenbads im Spätherbst noch etwas detaillierter einzufangen. Nun, das Thema „Ansprechen von Fremden auf der Straße“ ist auf meiner ToDo-Liste – ich muss mich da einfach mal mehr trauen. (Das sagt sich immer soo leicht …)

In der folgenden Woche war der nächtliche Frost mit sonnigen Tagen dem typischen November-Wetter gewichen: kalt, naß und grau. Und während am ersten Advents-Samstag die Weihnachtsmärkte ihr Tore öffneten war ich mit ein paar Freunden einer früheren lokalen Fotogruppe auf einer Art „Revival Walk“ in der fränkischen Schweiz unterwegs. Der Tag war grau, kalt und immer wieder von ganz feinem Regen durchzogen. Und genau da gefällt mir dann der Lomo Color ’92 dann doch erstaunlich gut: das Grün vom Moos und die braunen Farben von Laub und Erde – das wird richtig schön betont. Ich hab fast das Gefühl, den modrigen Geruch des Laubes von dort zu riechen.




Lomochrome Metropolis (in der Canon)
Also dieser Film, ich find den einfach sowas von klasse! Grobes Korn ist bei den Lomo Filmen ja nicht ungewöhnlich – aber in Kombination mit diesen schönen Farben ist das eine wunderbare Kombination. Für mich hat der Film einfach eine Menge Charme und der Metropolis wird sicher noch oft eingelegt werden.
Ich hab mit diesem Film in ganz verschiedenen Lichtsituationen Bilder gemacht: direkte Sonne, bedeckte Sonne, ganz diffuses Grau und nächtliches Kunstlicht. Und ich beginne mit paar ein Bildern, die ich in Dänemark bei traumhaften Strandwetter im September gemacht habe. Es war überhaupt der erste Film, den ich nach vielen Jahren in die Canon eingelegt hatte und daher war ich doch etwas aufgeregt. Offensichtlich so sehr, das ich prompt den ersten Fehler machte und unabsichtlich diese Vignette erzeugte, denn die Streulichtblende war nicht für mein 24mm Objektiv gebaut, sondern eher für das 35er oder 50er. Aber trotz (oder wegen?) dieses Unfalls gefällt mir das Bild sehr gut:

Ok, bei den folgenden Fotos dann ohne die Streulichtblende – aber dafür mit einem Pol-Filter im Einsatz, wodurch das dunkle Blau des Himmels auf der linken Seite zum Vorschein kam:

Unser Sohn war die erste Hälfte des Urlaubs auch bei uns und ist dann für einen Auftritt weiter nach Oslo gereist. Eine gute Gelegenheit, in der Mittagssonne die Fähre in Hirtshals einzufangen, mit der er die Überfahrt unternommen hat:

Einmal der Blick nach oben – ebenfalls in der Mittagssonne. Einfach mal die Kamera auf den Fahnenmast gelegt, nach oben schauen lassen und die Entfernung geschätzt:

Auch in der späten Nachmittagssonne gefallen mir die warmen Farben des Films sehr gut. Hier meine Frau am Strand …

.. während das Wasser um meine Füße spülte:

Verlassen wir mal den Sommer und wechseln in etwas diffuseres Herbstlicht, in dem die Sonne sich hinter einer Wolkendecke versteckt. Ein schöner Tag für einen Spaziergang. Wir haben bei uns zwar nicht den Dümmer See 😉 aber dafür ein paar mehr oder weniger große Karpfenweiher, die immer gern für eine Umrundung einladen:

„Bild in Bild“ … mache ich ganz gern mal 😉

Im Oktober war an einem Samstag wieder das Festival „Frei Bordsteinkante“ in der Erlanger Altstadt, ein Kultur-Event mit offenen Ateliers und vielen Aktionen. Hier an dem Tag war es kein bisschen sonnig, nur ein grauer Himmel ohne Konturen.

In einem Atelier war das Thema „Lyrik“ und es gibt dort Kurse, um aus Worten Verse zu formen. Natürlich gibt es dort auch alte analoge Schreibmaschinen:

Ich hatte an einer Führung vom Erlanger Künstler Matze Walter (Instagram: matzewalter1964) teilgenommen, wo wir als Gruppe ein paar Ateliers und Maker-Spaces besuchten und am Ende am Kunstautomaten landeten. Dabei handelt sich um einen ehemaligen Zigarettenautomaten, der heute mit Kunst in kleinen Schachteln gefüllt ist. So bekommt man für 6 € ein kleines Unikat – eine ganz feine Idee! Matze gehört zu der Künstlergruppe, welche auch den Inhalt vom Automaten kuratiert.

Und dann noch ein Bild aus Essen von der Zeche Zollverein. Anfang November – wieder graues & sehr diffuses Licht. Und mit einem Brautpaar am Eingang:

Zum Abschluss der Metropolis-Bilder noch ein Eindruck mit Kunstlicht oder Nachtlicht. Ich bin ja des öfteren mit dem Zug unterwegs, daher musste ich natürlich auch mal ein Bild im leeren ICE am späten Abend machen. Ein weniger verwackeltes Foto war mir durchaus auch gelungen, aber dieses gefällt trotzdem besser – insbesondere die Farben:

Und noch ein Blick über die Gleise nach der Ankunft am Erlanger Bahnhof. Auch hier gefällt mir der Look sehr gut:

Kodak Gold (in der Lomo)
Und nun geht es zum nächsten Film. Und auch zur Lomo MC-A. Die Kamera kam kurz vor Weihnachten bei mir an und fast gleichzeitig wurden auch drei Kodak Gold 200 geliefert. Da lag es doch nahe, diesen gleich in der neuen Kamera auszuprobieren. Irgend etwas muss ich beim einlegen nicht ganz korrekt gemacht haben, da nach dem fünften oder sechsten Bild sich etwas verhakt hatte. So hab ich den Film nochmal nachts im Dunkeln neu eingelegt. Danach war dann alles okay.
Im Vergleich zu den Lomo Filmen erkennt man schnell: weit weniger Korn und viel mehr Brillianz.
Das erste Bild ist vom Tag nach Weihnachten. Vor vielen Jahren (ich hätte auch „noch im letzten Jahrhundert“ schreiben können, aber das klingt ja sowas von ewig her) haben meine Eltern eine Tradition eingeführt, das sich die ganze Familie am zweiten Weihnachtstag zum Brunch oder Mittagessen trifft und anschließend noch ein paar gemeinsame Stunden verbringt. Auch wenn uns unsere Eltern nun schon fast 10 Jahre verlassen haben setzen meine Geschwister und ich diese Tradition heute weiter fort. Und dann treffen wir uns dann alle: meine Geschwister samt Partner:innen, Neffen und Nichten mit Partner:innen und natürlich auch mit deren Kindern. Es ist immer einfach immer wieder schön.
Und wenn wir dann in Minden sind, dann ist jetzt auch ein Besuch in der „Zuckerschmiede“ quasi gesetzt. Meine Nichte Jenny hat im vergangenen Juli diese kleine Konditorei eröffnet – auch mit ein paar wenigen kuscheligen Sitzplätzen, damit die leckeren Köstlichkeiten vor Ort vernascht werden können. So entstand das folgende Bild dort am Tag nach Weihnachten. Und auch wenn die Feiertage gerade überstanden waren: so eine Köstlichkeit von Jenny geht immer!
(uff, das war aber viel Text für ein Bild)

Und dann kam so richtig der Winter im Januar und zeigte sich auch bei uns in Erlangen von der allerschönsten Seite! So packte ich die Lomo mit dem Kodak Gold gern mit in die Jackentasche, um sie auch gleich weiter kennen zu lernen.
Der Kodak Gold macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Auf der einen Seite das schöne Blau des Himmels – auf der anderen Seite die warmen (goldigen?) Töne der Nachmittagssonne – auch im Wald.




Natürlich waren auch trotz des Schildes kurze Zeit später Menschen auf dem zugefrorenen Weiher:


Mit dem Bild der jungen Frau, die vorsichtig bei der Glätte über die Brücke geht, bin ich nun am Ende des heutigen Beitrags angekommen. Die Bilder von den schwarz-weiß Filmen gibt es dann im zweiten Teil.
Ganz herzlichen Dank für Deine Aufmerksamkeit und ganz liebe Grüße!

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